Pfingstanger, Nikolausberg - Biologische Schutzgemeinschaft - Vereinigung für Natur- und Umweltschutz zu Göttingen e. V.

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Pfingstanger, Nikolausberg


Der Pfingstanger mit einer Größe von 1,5 ha erstreckt sich über einen 15 bis 20 Meter hohen, west- bis nordwestorientierten Steilhang am Fuße des Feldbornberges in der Gemarkung Nikolausberg. Der Untergrund besteht im Wesentlichen aus Muschelkalk. An Vegetationstypen finden sich Trockengebüsche kalkreicher Standorte wieder und ein Kalk-Magerrasen ist als Assoziation mit einer Enzian-Schillergrasrasen-Gesellschaft (Gentiano-Koelerietum) im Verband Mesobromion anzusprechen, allerdings durch Unternutzung relativ verarmter Ausprägung mit starker Dominanz der Gräser Bromus erectus (Aufrechte Trespe) und Brachypodium pinnatum (Fieder-Zwenke).
Der Kalkmagerrasen ist recht wüchsig. Bei der Vegetation dominiert die Fiederzwenke (Brachipodium pinnatum). Die Fiederzwenke hat die Eigenschaft die im Sommer produzierten Nährstoffe im Herbst in unterirdische Pflanzenteile einzulagern, wodurch eine Mahd im Herbst oder Winter nur zu einem geringen Nährstoffverlust führt. Eine Besonderheit jedoch ist das Vorkommen des Schmalblättrigen Leins (Linum tenuifolium) (RL1). Der Lein kommt in Niedersachsen nur auf zwei Wuchsorte, neben dem Pfingstanger im Bratental, vor. Beide Vorkommen liegen auf Göttinger Stadtgebiet. Für diese Art besteht somit niedersachsenweit eine besondere Verantwortung.
Ein früherer Versuch in den 1990er Jahren Süßkirschen auf der Fläche anzubauen ist fehlgeschlagen. Die Bäume sind kaum gewachsen und heute größtenteils abgestorben.
Nördlich angrenzend zum Magerrasen befindet sich ein offengelassener Handsteinbruch (Schaumkalk = festes dolomitisches Gestein). Durch Pflegemaßnahmen im Jahr 2016/2017 wurde dieser auf einer Länge von 20 Meter freigeschnitten.

Vergangene Pflegekonzepte
2008 wurden auf dem Pfingstanger nur noch etwa 14 Individuen des Schmalblättrigen Leins gefunden. Der Erste Pflegeeinsatz der BSG fand 2007/2008 statt. In der Fläche bestand eine mäßige Verbuschungstendenz, jedoch wanderten Gehölze aus den Randbereichen ein und der obere Gehölzriegel dehnte sich zunehmend in die Fläche aus, wodurch ein Bestand von Linum tenuifolium bereits stark bedrängt wurde.
Im Sommer 2008 wurden Teile der Fläche durch Ziegen beweidet, wobei die Wuchsstellen vom Schmalblättrigen Lein ausgespart wurden (Er soll  empfindlich gegen Beweidung sein). Um den Zaunbau zu erleichtern wurden 2008 auch Schneisen in den oberhalb der Fläche liegenden Gehölzriegel geschnitten.
Im Juni 2009 sind die Standorte des Leins per Hand von Gehölzaufwuchs freigeschnitten worden.
Bei den vergangenen Pflegeeinsätzen wurden vorwiegend Hartriegel, Schlehen und Wurzelbrut von Grauerlen im Wuchsbereich des Schmalblättrigen Leins mit dem Freischneider abgemäht und von der Fläche entfernt.
Im Sommer 2009 (25.06.2009) blühten an drei Stellen etwa 25 Pflanzen des Leins.
2014 wurde versucht aus den Samen vorkommender Pflanzen den Lein im Botanischen Garten vorzuziehen und später auszupflanzen. Dieser Versuch führte jedoch nicht zu einem Erfolg.
In den letzten 2 Jahren fand keine Ziegenbeweidung mehr statt. Der Pflanzenbestand des Leins ging 2016 auf 14 Pflanzen an nur noch zwei Stellen zurück.
2018 konnten im Juni auf stark verfilztem Boden nur noch 9 Pflanzen kartiert werden. 8 der 9 Linum-Individuen wuchsen im südlichen Bereich an der Abbruchkante. Nur noch 1 Individuum konnte auf dem tatsächlichen Magerrasen gefunden werden.

Neues Pflegekonzept
2018 findet mit einem neuen Konzept wieder eine extensive Beweidung statt. Das Beweidungskonzept sieht nun vor, dass erst nach der Samenreife des Leins, also frühestens im August mit Ziegen und auch mit Schafen die gesamte Fläche beweidet wird. Dadurch erhoffen wir uns, dass der Boden durch den Tritt entfilzt wird und der Samen eine Keimfläche vorfindet. Stockausschläge werden zurück gebissen und durch die Schafe wird das Gras deutlich besser abgefressen. Darüber hinaus findet auch die bewährte Koppeleinteilung statt, d. h. die Fläche wird in mehreren kleinen Beweidungsflächen eingeteilt. Dies hat den großen Vorteil, dass nicht innerhalb kurzer Zeit alle blühende Kräuter abgefressen werden und somit für die Insekten eine Ausweichmöglichkeit bestehen bleibt.

Weitere bemerkenswerte Arten
Aquilegia vulgaris - Gemeine Akelei - RL3
Briza midia - Mittleres Zittergras - RLV
Centaurea jacea - Wiesen-Flockenblume
Centranthus ruber - Rote Spornblume (Neophyt), am Steinbruch
Colchicum autumnale - Herbst-Zeitlose - RL3
Gymnadenia conopsea - Mücken-Händelwurz - RL3
Helictotrichon pratense - Echter Wiesenhafer - RL3
Hippocrepis comosa - Gewöhnliche Hufeisenklee - RL3
Ophrys insectifera - Fliegen-Ragwurz - RL3
Primula veris - Echte Schlüsselblume - RLV
Pyrola rotundifolia - Rundblättriges Wintergrün, am Steinbruch - RL2
Veronica teucrium - Großer Ehrenpreis - RLV


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