Eine Libelle sprengt den Rahmen - das Logo steht als ein Symbol der Freiheit. In einer Zeit wie der unsrigen, bildet der Naturschutz eine Art letzte Bastion mitten in der globalen Weltverschwendung.
Die rahmensprengende Libelle ist aber nicht nur das abstrakte Logo der Biologischen Schutzgemeinschaft zu Göttingen e. V., sie symbolisiert auch die ganz konkrete Entstehungsgeschichte unserer Organisation.
So stand vor über zwei Jahrzehnten eine Kiesgrube mit spektakulärem
Arteninventar im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen (Lebensraum der in
Niedersachsen vom Aussterben bedrohten Gelbbauchunke, weiterer gefährdeter
Amphibien und vieler hochgradig bedrohter Libellenarten). Unter den
üblicherweise zitierten "Sachzwängen" sollte dieses artenreiche Refugium, die so
genannte "Ballertasche" an der Weser, begraben werden.
Und mit ihm auch die besonderen Spezialisten - Pflanzen und Tiere, die von den
besonderen Bedingungen des Lebensraumes Kiesgrube profitieren und die keinerlei
Ausweichmöglichkeiten haben. Die Lage schien aussichtslos, denn gegen die kleine
Gruppe aktiver Naturschützer stand eine Übermacht unflexibler
Interessenvertreter, allen voran die Klosterkammer Hannover. Selbst die Untere
Naturschutzbehörde und auch eine Gruppe seniler Vogelschützer sabotierten das
Ziel eines dauerhaften Schutzes der Kiesgrube.
Jede auch noch so stichhaltige Argumentation wurde vom Tisch gewischt, ob nun
bei der Oberen Naturschutzbehörde oder schließlich bei der Obersten, dem
Ministerium. Und die Planierraupen waren bereits mit behördlicher Genehmigung im
Anmarsch.
Zu jener Zeit hatte der Umweltschutz, insbesondere dessen weltweite
Organisationen, bereits zugkräftige Mittel erprobt: Schornsteinbesetzungen,
Hafenblockaden und dergleichen. In genau diesem Licht rief dann die BSG zur
konspirativen Krisensitzung - mit weitreichender Konsequenz:
Mobilisierung neun verschiedener, teils überregionaler Umwelt- und
Naturschutzgruppen, Besetzung der Kiesgrube, Errichtung eines Zeltdorfs,
Pressekonferenzen, Berichte in regionalen, dann in allen bundesweiten
Tageszeitungen und im Rundfunk. Eine Woche lang Ausharren in Matsch und Regen.
Aber die Bevölkerung des nahen Städtchens brachte täglich warmen Tee und Kuchen.
Und die Kunde ungebrochener Solidarität zog in der Öffentlichkeit immer weitere
Kreise...
Auf einmal war dann alles anders. Sachzwänge waren plötzlich keine mehr. Und
wie von selbst wurde das Gebiet schließlich auch behördlich sichergestellt.
Die erste Kiesgrubenbesetzung "der Welt" war von Erfolg gekrönt, und eine ganz
kleine Naturschutzgruppe war über Nacht in aller Munde. Fortan sollte auch unser
Signet diese erste große Aktion würdigen: Es zeigt die Gebänderte Heidelibelle (Sympetrum
pedemontanum), eine der charakteristischsten Arten dieses Refugiums, generell
selten und stark gefährdet. Ein ungeahnter Zulauf stellte sich bei der BSG ein,
und noch bis heute wird progressiver Naturschutz in Göttingen mit diesem Namen
gleichgesetzt.
Vorausgegangen war damals die Abspaltung aus dem ehemaligen Deutschen Bund für
Vogelschutz (DBV) gewesen.
Unzufrieden mit einem übermächtigen Landesverband, hatte die Göttinger Gruppe des DBV versucht, sich mit einer neuen Satzung von diesem abzunabeln. Doch einige Weggefährten sahen im Festhalten an alten Strukturen Vorteile und mobilisierten einen großen Teil von Karteileichen unter den Mitgliedern. So scheiterte die überfällige Palastrevolution an der erforderlichen Zweidrittelmehrheit. Der aktive Kern trat von seinen Ämtern zurück - und aus dem DBV aus und gründete im Dezember 1982 mit nahezu 50 Personen die Biologische Schutzgemeinschaft zu Göttingen e. V. (=BSG).
Die BSG ruhte sich auf den Lorbeeren nicht aus. Ein nächstes wichtiges Ziel
war die Anerkennung gemäß §29 BNatSchG als bei Planungen anzuhörender Verband
(über den Dachverband NVN, den Naturschutzverband Niedersachsen), was 1990
erreicht wurde.
Kurze Zeit später, als die erste nach dem neuen niedersächsischen
Naturschutzrecht durchzuführende Verbandsklage anstand, war es wiederum die BSG,
die hierfür in ihrer Stellungnahme die Argumentation entwarf. Diese wurde von
betroffenen Naturschutzbehörden und prominenten Verbänden mit dem Ergebnis
übernommen, dass das beklagte Projekt (die Verbauung des letzten unverbauten
Bergbaches im Harz, der Sieber) fallengelassen werden musste, obwohl es die
Unterstützung gewichtiger politischer Kreise, inklusive des damaligen
Ministerpräsidenten Gerhard Schröder und seiner Landesregierung, hatte.
Der Großteil der Naturschutzarbeit ist natürlich nicht annähernd so spektakulär, sondern vielfach Routine. Regelmäßige Stellungnahmen zu Straßenbauvorhaben, Bauleitplanungen, Gewässerverbau, Müllbeseitigungsanlagen, Mobilfunktürmen, ... sind bis heute (und weiterhin!) unser Alltagsgeschäft.