
Die Ballertasche Ökologischer Streifzug in einer hochsommerlichen Kiesgrube (1997)
„...Eine Landschaftswunde im Oberweser-Bergland. Wir blicken auf die
Ballertasche - so heißt diese Landzunge in einer Weserschleife, hier ganz nahe
dem Ursprung des Stromes.“
So beginnt der Film der Biologischen Schutzgemeinschaft und des NABU, der im
Spätsommer 1997 in vier Drehtagen entstand.
Die meisten Menschen empfinden beim Anblick einer Kiesgrube Unbehagen, sehen
in erster Linie die Landschaftszerstörung. Diese Wunden
werden nach Ende der Abbautätigkeit verfüllt und häufig so der früheren Nutzung wieder
zugeführt. Im Zuge des radikal lebensfeindlichen Ausbaus der Fließgewässer und
der Monotonisierung und Ausräumung der Landschaft stiegen diese „Wunden“ in der
Wertschätzung zunächst nur bei den Naturschützern. Sie fanden doch gerade hier
noch Tier und Pflanzenarten, die einst in ursprünglichen Flußauen beheimatet und
inzwischen nahezu verschwunden waren. Die Landschaftswunde wurde zum „Biotop aus
zweiter Hand“.
Ein solcher Sekundärbiotop liegt im Oberweser-Bergland bei Hann.-Münden: Die
„Ballertasche“ ist eine Trockenabbau-Kiesgrube mit exemplarisch ökologischer
Funktion und damit herausragendem Wert. Für den Naturschutz ist sie eines der
hochwertigsten Kiesgewinnungsareale mit einer gerade für Niedersachsen
einzigartigen Fauna und Flora. In dieser Mondlandschaft finden Erstsiedler wie
beispielsweise die Gelbbauchunke, weitere Lurche und zahlreiche seltene
Libellenarten eine neue Heimat. Damit erlangt der Trockenabbau in seinem
Nebeneffekt eine allgemein hohe Bedeutung für den Naturschutz.
Mit dem Gemeinschaftsprojekt der beiden Naturschutzverbände möchten wir einen
Beitrag zur Umweltbildung liefern.
Industrieanlagen können Lebensräume neu entstehen lassen, die der Mensch
durch andere Maßnahmen fast vollständig zerstört hat. Wir führen mit diesem Film
den Betrachter zum einen dahin, den dramatischen Rückgang am Beispiel der
Pioniergesellschaften der periodisch wechselnden Flußauenformationen
nachzuvollziehen. Zum anderen hat der Zuschauer aber auch die Möglichkeit zu
erkennen, dass die Natur neue, zunächst künstliche Lebensräume durchaus erobert.
Mit in der Evolution seit Jahrmillionen erprobten Strategien wird unsere moderne
Lebenswelt mit ihren sich ständig und schnell ändernden Technologien und
Zielsetzungen hier eingebunden. So kann der Betrachter dahin geführt werden,
dass er sich selber auch als Teil der Natur begreifen muss.
Das Video ist als VHS und dank Alexander Hühne auch als Remastering
auf DVD im BSG-Büro erhältlich.
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