Als eine ihre Kernaufgaben führt die
Biologische Schutzgemeinschaft zu Göttingen e. V. (BSG) seit über 25 Jahren
Pflegemaßnahmen auf z. Zt. 20 nach § 28a NNatG geschützten Biotopen (Biotope, die
dem direkten gesetzlichen, Schutz unterstellt sind) auf Göttinger Stadtgebiet
und im Landkreis Göttingen durch. Zu diesen Biotopen mit besonders seltenen,
artenreichen und gerade auf besondere Bedingungen spezialisierten Tieren und
Pflanzen gehören insbesondere die Kalkmagerrasen (Biotop des Jahres 1991) und
das Feuchtgrünland mit Nasswiesen, Groß- und Kleinseggenrieden und (Kalk-)
Quellsümpfen.
Die BSG ist Vorreiter in Sachen Biotop-Pflege! Seit ihrer Gründung im
Jahre 1982 hat es sich die Biologische Schutzgemeinschaft zur Aufgabe gemacht,
„Schutz und Hilfsmaßnahmen für gefährdete Tier- und Pflanzenarten“
durchzuführen, ein wichtiges Standbein nimmt dabei die Biotop-Pflege ein.
Ursprünglich waren diese Flächen der heutigen Magerrasen und Feuchtgebiete überwiegend von Rotbuchen- und Eichenmischwäldern bedeckt. Durch Waldweide (Hutung) und Brennholzfällung lichteten sich die Wälder auf und es konnten sich licht- und Wärme liebende Pflanzen und Tiere ausbreiten. Später wurden diese Flächen zum Zwecke der extensiven Beweidung oder Heugewinnung gerodet. Durch den ständigen Abtrag von Biomasse entstand ein offener, magerer und nährstoffarmer Boden. In diese oftmals noch zusätzlich durch sehr warmes Kleinklima ausgezeichneten Flächen wanderten von Felsstandorten und aus dem Mittelmeerraum Pflanzen und Tiere ein, die diesem Lebensraum heute sein besonderes Gepräge geben.
Bis in 1950er/Anfang der 1960er Jahren wurde noch
eine mehr oder weniger intensive Form der Weidewirtschaft mit vor allem
Schafen und Ziegen betrieben. Gerade diese Form der
„Grünland-Pflege“, an die vordergründig nicht gedacht war sondern die vielmehr
zur Selbsterhaltung diente, führte zur Bewahrung vieler heute selten
gewordener Tiere und Pflanzen. Danach erreichte die Schafhaltung mit nur
noch 0,8 Millionen Tieren im Jahre 1965 ihren Tiefpunkt. Mit weitestgehender
Aufgabe der Wanderschäferei, erholten sich auf den mageren Grünlanden zunächst
in den 1970ern die Pflanzen-Bestände wieder, besonders die Orchideen. Fehlt
dagegen für länger die traditionelle Nutzungsform, tritt durch
natürliche Sukzession eine Verdrängung der seltenen und spezialisierten Arten
ein. Man sagt, der Biotop „verbuscht“. Dieser drohenden Gefahr sind alle die
Flächen ausgesetzt, die man sich selbst überlässt (= Verbrachung). Das besondere
Instrument der Biotop-Pflege ersetzt die traditionelle bäuerliche Kulturform.
Hierzu bedient sich die BSG verschiedener mechanischer Methoden:
Eine Maßnahme ist das Entkusseln, d.h. die Entfernung von
Stockausschlägen und Gehölzaufwuchs (höchstens 1x/Jahr) zur Offenhaltung der
Flächen mittels Freischneider. Ist für eine Mahd die Geländebedingung
günstig und nur wenige bzw. jüngerer Gehölzaufwuchs auf der Fläche kann zur
Arbeitserleichterung ein Balkenmäher zum Einsatz kommen. Stark verfilzte Flächen
müssen ebenfalls mittels Freischneider offen gemacht werden. Zum Entfernen
größerer Äste und Stammholz kommt die Motorsäge zum Einsatz. Das Mähgut wird
zusammengerecht und in der Regel abgefahren oder an Ort und Stelle verbrannt.